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Publikationen
In der Arbeit mit Menschen und komplexen Kulturen gibt es kein "Schema F". Was heute funktioniert, muss morgen hinterfragt werden. Deshalb nehmen wir uns die Zeit, unsere Fälle nicht nur abzuarbeiten, sondern genau hinzusehen: Was hat gewirkt? Wo lagen die Hürden?
In diesem Bereich teilen wir unsere Gedanken und Analysen mit Ihnen. Wir verstehen diese Fachbeiträge als Werkstattbericht aus unserem Alltag – transparent, fundiert und immer mit dem Ziel, die Zusammenarbeit zwischen Familien und Behörden ein kleines Stück besser und verständlicher zu machen.
Eigene Publikationen
Migrationssensitive sozialpädagogische Familienbegleitung
Die professionelle Begleitung von Familiensystemen im Rahmen behördlicher Kindesschutzmassnahmen erfordert in der heutigen Gesellschaft hochspezialisierte Interventionsformen. Die klassische Sozialpädagogische Familienbegleitung (SPF) stösst in komplexen, durch Migration, Fluchtbiografien und sprachliche Barrieren geprägten Familiensystemen oftmals an metho
dische Grenzen. An dieser kritischen Schnittstelle positioniert sich die Migrationssensitive Sozialpädagogische Familienbegleitung (MSPF) als binnendifferenzierte Fachlichkeit.
Mit diesem Angebot schliesst die MSPF eine wichtige Lücke im bestehenden Versorgungssystem und leistet einen bedeutenden Beitrag zur präventiven Kindesschutzarbeit.1 Wir verstehen uns als spezialisierter Fachpartner für staatliche Zuweiser (KESB, Sozialdienste, Gerichte). Unsere Kernkompetenz liegt in der Synthese aus evaluierter, systemischer Sozialpädagogik und tiefgreifender transkultureller Expertise.
Besonders wertvoll für den Beziehungsaufbau ist dabei, dass unsere Familienbegleiterinnen und Familienbegleiter eigene Migrationserfahrungen mitbringen und somit als authentische, kultursensible Brückenbauer wirken.1 Unser unabdingbares Ziel ist die nachhaltige Sicherung des Kindeswohls durch die gezielte Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenz – unabhängig von Herkunft, Aufenthaltsstatus oder Sprache der Familie.
Migrationssensitive Sozialpädagogische Familienbegleitung (MSPF) – Ein spezialisierter Partner für wirksamen Kindesschutz
Warum differenzierte Angebote die behördliche Arbeit entlasten, Kosten senken und die Wirkung erhöhen?
Einleitung: Die Notwendigkeit einer binnendifferenzierten Fachlichkeit
In der schweizerischen Landschaft des Kindesschutzes hat sich die Sozialpädagogische Familienbegleitung (SPF) über Jahrzehnte als ein unverzichtbares Instrument etabliert. Doch die gesellschaftliche Realität, in der mittlerweile rund 40 % der Bevölkerung einen Migrationshintergrund aufweisen, stellt uns vor neue, komplexe Herausforderungen. Wir beobachten in der täglichen Praxis immer häufiger, dass Standard-Interventionen dort an ihre Grenzen stossen, wo sprachliche Barrieren, transgenerationale Traumata oder tief verwurzelte kulturelle Rollenkonflikte das Familiensystem dominieren.
Das hier vorgestellte Konzept der Migrationssensitiven Sozialpädagogischen Familienbegleitung (MSPF) ist eine «Erfindung aus der Praxis», gewachsen aus jahrzehntelanger Erfahrung in der öffentlichen Verwaltung, der Migrationsarbeit und der Pädagogik. Wir verstehen die MSPF nicht als Ersatz für die klassische SPF, sondern als deren konsequente Weiterentwicklung. Sie ist ein spezialisiertes Modul, das dort zum Einsatz kommt, wo ein herkömmliches Fallverstehen aufgrund der kulturellen und biografischen Komplexität eine zusätzliche fachliche Vertiefung benötigt.
Epistemische Sicherheit und transkulturelle Synergien im zivilrechtlichen Kindesschutz: Zur behördlichen Relevanz migrationssensitiver Familienbegleitung
Autor: Shahryar Hemmaty, 20.02.2026
Abstract
Die seit 2013 professionell organisierten Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (KESB) sind in ihrer täglichen Entscheidungsfindung zunehmend mit transnational geprägten Lebenswelten konfrontiert. Die Ermittlung des rechtserheblichen Sachverhalts bei potenziellen Kindeswohlgefährdungen stellt in diesen Settings hohe Anforderungen an die interdisziplinäre Abklärungspraxis. Der vorliegende Beitrag geht der Frage nach, wie die Methode einer migrationssensitiven Sozialpädagogischen Familienbegleitung (SPF) dazu beitragen kann, epistemische Unsicherheiten zu reduzieren. Es wird aufgezeigt, dass durch die Dekonstruktion kulturalisierender Zuschreibungen und die Gewährleistung verhältnismässiger Interventionen die behördliche Fallführung substanziell entlastet und die Prozessqualität nachhaltig gesichert wird.
Fachbeiträge
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